KRISTA BEINSTEIN / Geb. 03.07.1955



Geboren am 3. Juli 1955 in Wien

Fotograf:in, Autor:in, Aktions-Künstler:in. Lebt und arbeitet auf St. Pauli.


„Ich habe mich immer eher als Anarchist:in bezeichnet.“

Krista Beinstein über Krista Beinstein.

„St. Pauli ist eine freie Stadt für mich.“

Beinstein über sich und St. Pauli.


Seit nunmehr 30 Jahren lebt Krista Beinstein auf St. Pauli – die Wiener Wohnung gab Beinstein vor einigen Jahren auf. St. Pauli ist Ort der Befreiung, Ort neuer Identität und der Aneignung von Männlichkeit: „St. Pauli hat mir meinen Schwanz gegeben“, antwortet Krista auf die Frage, was der Kiez bedeutet. In Wien absolvierte Beinstein eine Fotograf:innen-Lehre. Krista war Clown und machte Kabarett. Das Kind Krista verweigerte das Tragen niedlicher „weiblicher“ Kleidung. Das Befragen und Überschreiten von Grenzen bleiben Lebensthemen. Die Grenzen der Geschlechterrollen, die Grenzen zwischen Lust und Gewalt, die Grenzen des sogenannten guten Geschmacks. Um die Ausstellungen und Aktionen Beinsteins, in denen Krista u. a. dildotragend das Publikum zu Reaktionen einlädt, entstand in den 1980er Jahren eine lebhafte Debatte innerhalb der Frauen-Lesben-Bewegung.


Den Kern bildet „der Wunsch nach Ent-Grenzung, nach Ent-Zivilisierung, nach Ent-Häuslichung der weiblichen Sexualität, grenzen- und schrankenlos, kurz: anarchistisch“, wie Gudrun Hauer (1953–2015), kämpferische Feminist:in und Aktivist:in der HOSI, der Homosexuellen Initiative Wien, 1985 im „Österreichischen Lesbenrundbrief“ schrieb. Für Hauer und andere lag „eine bittere Ironie darin, daß ausgerechnet Sexualität, die sich so gänzlich ent-herrschen will, sich umso enger an die Dynamik von Herrschaft und Unterwerfung bindet“. Heute weitgehend vergessene Debatten innerhalb der Frauenbewegung.


Beinstein erregte überall Anstoß. Das erste Buch „Obszöne Frauen“, erschienen 1986 im Wiener Promedia-Verlag. Der Verlag wurde wegen Gewaltverherrlichung angezeigt, zu einem Verbot kam es jedoch nicht. „Obszöne Frauen“ ist das erste von zehn Büchern. Gegenwärtig schreibt Krista an eigenen Erinnerungen.


Was bedeutet eigentlich „obszön“? Im Buch heißt es dazu: „Obszön, abgeleitet aus lateinisch caenum: Schmutz, Schlamm, Kot, Dreck. Auch zur Bezeichnung des weiblichen und männlichen Genitals wurde es gebraucht.“ So wurde und wird ästhetische und moralische Abneigung ausgedrückt. „Ohne diese Entrüstung gäbe es das Obszöne nicht.“


Entrüstet waren 1989 auch die Bewohner:innen der St. Pauli Hafenstraße. Die Häuser am Hafenrand waren damals noch besetzt. In der Underground-Galerie „Abriss“ (1986–1992) war im August 1989 eine Ausstellung von Krista Beinsteins „obszönen“ Fotografien zu sehen – allerdings nicht gleich, denn erstmal wurden die Bilder zerstört. Ausstellung und Aktion „Free Fucking“ von 1985 in der Hamburger Frauenkneipe hat die Hamburger Filmemacherin Ulrike Zimmermann dokumentiert. (Ein Film, der sich übrigens nicht auf Zimmermanns Homepage findet.) Krista Beinstein ist das „bad girl“ geblieben. Und vielleicht hat die Erkenntnis der Regisseurin Monika Treut aus dem Vorwort der „Öbszönen Frauen“ noch immer Gültigkeit:


„Je mehr das Weibliche in einer männlichen Ordnung gezähmt und domestiziert wird, desto stärker fürchtet man die wilde, grausame Frau. In ihrer Grausamkeit erscheint der verdrängte Teil der Freiheit.“


Von Krista Beinstein sind zehn Bücher veröffentlicht worden:


http://www.kristabeinstein.de/buch.html


*Bildquelle: Krista Beinstein