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BARBARA OSSENKOPP - GENANNT: CHINESEN BABS / 1943-2021


Geboren 1943 in Lüneburg, gestorben am 28. Mai 2021 in Djakarta/ Indonesien;

Striptease-Tänzerin, Schauspielerin, Tierschützerin

„Leise und lächelnd haben Spiel und Nacht/ die sich bewegende Schönheit/ vor Erreichen des Ufers – umgebracht.“ Aus einem Gedicht von Anne Serocka


„Das bin doch ich! So empfinde ich mein Leben.“ Das soll Barbara Ochsenkopp über ein Gedicht der Freundin gesagt haben. Es ist mehr als ein Wehklagen über die allgemeine Grausamkeit der Welt oder die Unbarmherzigkeit des Alters – dieser Gedanke kommt, wenn wir an Barbaras Engagement in den letzten drei Lebensjahrzehnten denken.


1961 kam das Mädchen aus der Provinz nach St. Pauli und szenetypisch hatte sie bald einen Spitznamen weg: wg. ihrer hohen Wangenknochen und wohl aufgrund ihres Makeups hieß sie Chinesen-Babs. Sie war nicht nur Teil der Kneipen- und Clubszene, sie wurde regelrecht zur Legende. Erst Bardame, dann Striptease-Tänzerin im Salambo, dann (Laien-) Schauspielerin.

Aus dem Jahr 1974 sind Aufnahmen von zwei sehr unterschiedlichen Rollen erhalten. In Wirklichkeit waren es wahrscheinlich viel mehr, doch zwei bewahrt das Internet. Sie tanzt auf der engen Bühne von Ilja Richters Popshow (lief von 1971 bis 1982 im ZDF) mit lila Hotpants und lila Perücke mit sparsamen Bewegungen. Und sie spielt in dem Film „Dorotheas Rache“ des anti-bürgerlichen Regisseurs Peter Fleischmann eine der beiden Hauptrollen. Eine satirisch-trashige Antwort auf die damalige „Sexfilmwelle“ (auch heute: frei ab 18). Story: ein Mädchen aus Blankenese sucht auf St. Pauli die Liebe. Nach gründlichen Bordell- und anderen Studien gründet sie mit Freunden eine Landkommune bei Stade.


Leider keine Aufnahmen existieren von ihren Auftritten für Betriebsfeiern für die St. Pauli Nachrichten. Sie tanzte durch das Publikum und wer sie angrabschen wollte, bekam eine gewischt. Aber nicht mit der Hand, sondern durch einen Schwenker mit dem Busen.

Anita Berber, der in den Neunzehnhundertzwanziger Jahren Männer und Frauen wg. ihres ebenso „unschuldigen“ wie hemmungslosen Tanzes zu Füssen lagen, war ihr Vorbild. Mitte der 1980er Jahre spielt sie in „Die grausame Frau“ von Elfie Mikesch und Monika Treut u.a. eine Domina. Der Film ist heute ein Klassiker des Queeren Cinemas. Barbara lebt und arbeitet dann ein paar Jahre mit dem Regisseur Peter Hajek in Österreich.


Ende der 1980er Jahre ändert sie ihr Leben. Sie wandert nach Indonesien aus. Sie arbeitet fortan auf einer Auffangstation für „Waldmenschen“, das malaiische Wort Orang Utan bedeutet „Waldmensch“. Die Tierschützerin Ulrike von Mengden hatte dort seit den 1960er Jahren eine Heimat für verwaiste Orang Utans aufgebaut – für Tiere, die dem Landhunger der Palmöl-Plantagenbesitzer zum Opfer gefallen waren. Die „pflichtbewusste Preussin“ wurde fast 100 Jahre alt. Barbara umsorgte sie so gut sie konnte. Sie erkrankte 2021 an Leukämie. Wegen des Pandemie-Lockdowns war jedoch eine Rückkehr nach Deutschland nicht möglich. Dank eines Spendenaufrufs nahm sie eine Klinik in Djakarta auf. Eine Covid-Infektion überlebte sie nicht.



Fotocredits: Günter Zint Stiftung

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